Tom Dwan
Der unaufhaltsame Aufstieg des Tom Dwan
Im April 2010 markierte nicht etwa ein besonderer Erfolg beim Pokern den vorläufigen Höhepunkt von Tom Dwan Aufstieg, sondern ein Werbeclip für Full Tilt Poker. Der Clip erzählt in wenigen Sekunden der Werdegang eines Spielers, der ganz unten angefangen und sich ganz nach oben gespielt hat. Dwan nimmt vor einem Spiegel Platz, der Reihe nach erscheinen seine Vorbilder, deren besondere Fähigkeiten er zunächst kopierte - Gus Hansens Aggressivität, Phil Iveys Kälte und Chris Ferguesons Kalkül. Bis er schließlich gelernt habe zu spielen wie Tom Dwan, der Tom Dwan, der jetzt in einer Reihe mit seinen Vorbildern steht und ihnen langsam über den Kopf zu wachsen droht. Tom Dwan zählt mit 23 Jahren zu den ganz Großen des Pokersports, einer der besten Cash-Game-Spieler der Welt, der sich online ein Vermögen erspielt hat.
Der Aufstieg des Tom Dwan begann tatsächlich ganz unten. Zu seinem 17. Geburtstag schenkte ihm sein Vater 50 Dollar. Dwan deponierte das Geld bei Paradise Poker und fing an zu spielen, angeblich $6 Sit’n’Gos. Die Legende besagt, dass er zunächst verloren habe, 35 der 50 Dollar waren weg, bis er die Kurve bekam. Bald machte sich Dwan über die Cash-Game-Tisch her. Das war 2004. Und Dwan sagt über diese Zeit: Damals seien die meisten Spieler wirklich sehr, sehr schlecht gewesen.
Bei seinem Aufstieg durch die verschiedenen Limits habe er nur selten Schwierigkeiten gehabt. Gelegenlich habe er ein oder zwei Monate gebraucht, um sich an ein neues Limit anzupassen, dann, wenn seine Gegner, wie Dwan es nennt, die „toughness“, eine gewisse Härte, gehabt hätten. Vor der World Series of Poker 2007 erwischte Dwan angeblich ein schlechten Lauf und verlor innerhalb weniger Monate von seiner 3 Millionen starken Bankroll gleich 2 Millionen. Dennoch blieben im Jahr 2007 für Tom Dwan, der unter seinem Spitznamen „durrrr“ bei Full Tilt Poker spielt, über 300.000 Dollar übrig. Im Jahr 2008 setzte sich sein Siegeszug auf den Nosebleed-Limts fort. Über fünf Millionen Dollar soll Dwan in diesem Jahr gewonnen haben. Im letzten Viertel des Jahres 2009 war er mal wieder dran mit einem kräftigen Downswing. Etwa 6 Millionen Dollar verlor Dwan in dieser kurzen Phase, nur um sie heute, knapp fünf Monate später, bereits wieder zurückgewonnen zu haben.
Solche Downswings scheinen dem Nervenkostüm und seinem Selbstvertrauen kaum etwas anhaben zu können. In Interviews aus dieser Zeit wirkt er so entspannt, als ginge gar nichts Ungewöhnliches vor. Zu dieser Zeit wurde auch die sechste Staffel von High Stakes Poker aufgezeichnet und Dwan scheute sich nicht einen großen Bluff zu spielen, ausgerechnet gegen Phil Ivey. Anlässlich der Aufzeichnung wurde Dwan gefragt, welchen Beruf er ergriffen hätte, wenn er nicht Pokerspieler geworden wäre. „Irgendwas mit Innovation“, antwortete Dwan, wohl auch weil er zu einer Generation von jungen Spielern gehört, die das Pokerspiel in den letzten Jahren geprägt und für immer verändert haben.
Wenn es so etwas wie ein Geheimnis für seinen sagenhaften Aufstieg gibt, dann ist es vielleicht seine Fähigkeit, sich in seine Gegner hineinzudenken und furchtlos zu spielen, immer darauf bedacht, wie er gegen einen bestimmten Spieler und dessen Spielweise, seine Gewinn maximieren kann. Und auch wenn ihm die ganz großen Erfolge im Turnierpoker bislang versagt geblieben sind, ist eines so gut wie sicher: Tom Dwan gehört die Zukunft des Poker.

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