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Phil Ivey

Ein Mann, ein Blick - Phil Ivey

 

Er habe nie etwas anderes werden wollen als Pokerspieler. Das sagt der Mann, der heute unbestritten als der beste Pokerspieler der Welt gilt. Die Rede ist von Phil Ivey.

Er hat viel dafür getan, und er hat früh angefangen. Als Phil acht Jahre alt war, brachte ihm sein Großvater das Pokern bei. Es ging um Pennies. Der Großvater schummelte, weil er eigentlich nicht wollte, dass sein Enkel spielte. Doch das Fieber war geweckt. Phil liebte das Spiel. Als Teenager erklärte er seiner Mutter, dass das Durchschnittsleben mit einem Job von neun bis fünf nichts für ihn sei. Er wollte reich werden, und zwar möglichst schnell.

Mit 17, im Anschluss an die High School, arbeitete Phil Ivey in der Woche als Telefonverkäufer für ein Unternehmen in New Brunswick, New Jersey. Doch das Wochenende gehörte dem Pokerspiel. Dann machte er sich auf den Weg ins Casino nach Atlantic City. Da eigentlich noch zu jung, um Einlass zu erhalten, beschaffte sich Ivey gefälschte Papiere, die auf den Jerome Graham ausgestellt waren. Bald spielte er täglich 16 Stunden und pendelte mit dem Bus zwischen New Brunswick und Atlantic City. Zwei Stunden dauerte eine Fahrt. Laut Mike Sexton tat er das über zwei Jahre lang. Das sei auch der Grund, warum Ivey in seinem Leben nie mehr mit einem Bus fahren wolle.

„No Home Jerome“ schlief am Strand

 



Aus dieser Zeit resultiert auch sein Spitzname „No Home Jerome“. Weil er gelegentlich sein Geld beim Spiel verlor, musste er hin und wieder unter einem Holzsteg am Strand schlafen. Früh morgens weckte ihn die ersten Strahlen der Sonne, das sei nicht gearde schön gewesen, erzählt Ivey, aber was sollte er machen. Er war jung, und er war bereit bis an die Grenzen zu gehen. Irgendwie überstand Ivey auch diese Nächte und erspielte sich in zwei Jahren eine Bankroll, um auch bei höheren Limits mitmischen zu können.

Als Ivey 22 war, lernte er Daniel Negreanu kennen. Sie freundeten sich an und zogen gemeinsam von Pokerturnier zu Pokerturnier. Bald stießen Allen Cunnungham und John Juanda zu ihnen. Zwei Jahre später, im Jahr 2000, gewann Ivey bei der World Series of Poker sein erstes Armband in einem Pot-Limit-Omaha Turnier mit einem Buy-In von $2.500. Das Preisgeld betrug $195.000.

Seither nahm sein Ruhm beständig zu. Bald zwanzig Jahre nach seinen Anfängen in Atlantic City scheinen sich alle seine Mühen bezahlt gemacht zu haben. Ivey muss nicht mehr Bus fahren. In Las Vegas lässt er sich in seiner Luxuslimousine mit Chauffeur durch die Stadt kutuschieren. Seine Erfolge sprechen für sich. Sieben Armbänder der World Series of Poker hat er sich bis zum Jahr 2010 erspielt, darunter sind Erfolge in den Varianten Pot Limit Omaha, 7 Card Stud Hi/Lo oder No-Limit 2-7 Draw Lowball, 22-mal erreichte er einen Finaltisch. Beim Main Event der World Series of Poker schaffte Ivey es seit 2002 viermal unter die besten 25 Spieler, eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmerzahl in diesen Jahren beständig wuchs und teilweise mehrere tausend Spieler um die Krone der World Series kämpften. 2009 erreichte er seine beste Platzierung, er wurde Siebter und kassierte dafür 1,4 Millionen Dollar.

Nicht weniger eindrucksvoll ist seine Bilanz an den Cash-Game-Tischen, an denen Ivey live und online ein gefürchteter Gegner ist. Über 6 Millionen Dollar erspielte sich Ivey online im Jahr 2009, 15 Millionen Dollar sollen es zwischen 2006 und 2009 gewesen sein. Wie viel er in all den Jahren außerdem beim „Big Game“ in Bobby’s Room im Bellagio in Las Vegas gewonnen hat, das lässt sich nur schwer schätzen.

Ivey rettet die „Corporation“

Legendär ist sein Duell mit dem texanischen Milliardär Andrew Beal, der es mit Immobiliengeschäften zu einem Vermögen brachte. Eine Gruppe von Pokerprofis legte im Februar 2006 ihr Geld zusammen, um nacheinander gegen Beal anzutreten. Gespielt wurde Limit Hold’em, die Stakes waren mit $25.000 und $50.000 hoch. Zunächst war Beal auf der Siegerstraße und erleichterte die „Corporation“ um etwa 10 Millionen Dollar. Doch dann kam sein Match gegen Ivey. Innerhalb von drei Tagen knöpfte Ivey Beal mehr als 16 Millionen Dollar ab.

Aus „No Home Jerome“ war der „Tiger Woods des Poker“ geworden, vergleichbar erfolgreich, bislang jedoch ohne die großen negativen Schlagzeilen. Die Scheidung von seiner High School-Liebe nach sieben Jahre Ehe im Jahr 2009 ging ohne großes Aufsehen über die Bühne.

Der Furchtlose

Kalt, direkt, kein Blinzeln, wie in Stein gemeißelt. Zu Iveys Markenzeichen ist sein Blick geworden, mit dem er in bestimmten Situationen seine Gegner mustert. Dann hält er Ausschau nach dem kleinsten Zeichen von Stärke oder Schwäche. Seine Präsenz am Pokertisch sei außergewöhnlich, das attestieren ihm fast alle, die einmal gegen ihn antreten mussten. Und keiner kann so unnachgiebig und illusionslos über das Pokerspiel sprechen wie Phil Ivey selbst. Es würde nicht immer so laufen, wie du dir das wünschst. Du müsstest bereit sein, an einem Tag eine halbe Million zu verlieren, ohne dass es dein Spiel am nächsten Tag beeinflusse. Ihm mache das nicht aus. Wenn es eine gute Gelegenheit für einen Bluff sei, dann würde er ihn spielen, auch wenn er dafür eine halbe Million setzen müsste.

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