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Gus Hansen: Hand für Hand

Gus Hansen: Hand für Hand

Patrik Antonius hat mal über Gus Hansen gesagt, dass der zwar genau wisse, wie man spielen müsse, aber er sei manchmal etwas schlampig und riskiere zuviel. Fest steht: Gus Hansen geht selten einem Risiko aus dem Weg. Das lässt sich oft beobachten, online und live. Es führt auch dazu, dass Hansens Bankroll große Swings aushalten muss. Das ist der Preis für seine Aggressivität. Und es kommt vor, dass er dabei hin und wieder nicht gut aussieht, was immer wieder mal zu Kritik an seinem Spiel geführt hat.

Wie aggressiv er spielt, wie gut er sein Spiel durchmischt, aber auch welche Risiken er bereit ist einzugehen und zu welchen überraschenden Spielzügen er fähig ist, das führt Hansen in dem Buch „Hand für Hand“ vor. Es dokumentiert seinen Sieg beim Main Event der Aussie Millions 2007 von der ersten bis zur letzten Hand. Hansen setzte sich gegen 746 Gegner durch und kassierte ein Preisgeld von 1,5 Millionen Australischen Dollar. Kein schlechter Lohn für fünf Tage Arbeit.

Hansen hat sich in diesem Fall etwas mehr Arbeit gemacht. Jede Hand, in die er involviert war, wird einer detallierten Analyse unterzogen, jede Entscheidung kommtentiert. Hansen hält diesen Weg für den richtigen, um alle relevanten Pokerprobleme herausarbeiten und verständlich machen zu können. Manchmal ist die Analyse mathematisch begründet, dann orientiert er sich allein an der Spielsituation und  dem bisherigen Spielverlauf, an seinem Image und dem seiner Gegner.

Hansen zeigt viele Gesichter während dieses Turniers. Er kämpft gegen Tilt an. Er spricht über Bluffs und Tells. Er zeigt, wann er einen Gang höher schaltet, um möglichst oft Blinds und Antes stehlen zu können, dann ist da der andere Hansen, der es etwas langsamer angehen lässt. Und der Zocker fehlt natürlich auch nicht. Zum Beispiel spielt er einen großen Pot gegen Paul „Mr. Crazy Bluff“ Wasicka, als er mit nicht mehr als einem Straight Draw Wasickas All-In bezahlt und dabei mehr als die Hälfte seiner Chips riskiert. Gegen den gleichen Paul Wasicka hatte Hansen zuvor mit einem Paar Vierer am Button All-In gepusht  - nach einem Standard-Raise von Wasicka  am Cut off auf 25.000 bei Blind von 5.000 und 10.000 und einem Ante von 1.000. Wasicka hatte zu diesem Zeitpunkt noch 245.000 dahinter. Ziemlich wagemutig für den Fall, dass die Sache schief geht. Und hier ging sie schief, denn Wasicka bezahlte nach langem Überlegen tatsächlich mit einem Paar Siebener. Der Leser, so schreibt Hansen, könnte sich vielleicht fragen, ob er auf Drogen sei. Und er antwortet: Ganz und gar nicht. Zwar sei diese Hand unglücklich gelaufen, aber durch seinen aggressiven Stil habe er viele Hände gewonnen, ohne auch nur je zum Showdown gehen zu müssen. Doch das ist eine der groberen Hände, in denen Gus Hansen versuchte, seine Gegner einfach an die Wand zu spielen. Es gibt auch die Hände, in denen das  Postflop-Spiel von Hansen mit einer Fülle von Überlegungen analysiert wird, von der jeder Turnierspieler profitiert. Dabei bevorzugt Gus Hansen den Plauderton, sein Schreibstil ist lakonisch und und unterhaltsam, was das Buch zu einer leichten Lektüre macht.

 

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